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Die verschiedenen Typen von Vorgesetzten

Vorgesetzte können einem das Leben manchmal ganz schön schwer machen. Wie steht es bei Ihnen? Verstehen Sie sich gut? Gehen Sie respektvoll miteinander um? Oder eher nicht? Laut einer Forsa-Umfrage ist jeder dritte Arbeitnehmer so unzufrieden mit den Vorgesetzten, dass sie auch schon über eine Kündigung nachdenken. Traurig, aber wahr.

Letzendlich gibt es nur zwei Typen von Chefs - die Guten, die sich selbst und ihre Grenzen kennen und denen klar ist, dass konkrete Ergebnisse nur im respektvollen Miteinander erzielt werden können. Das bedeutet flache Hierachien, agiles Arbeiten, also ein modernes Arbeitsumfeld. Dann gibt es noch die anderen - sie treten meist in der Form kleiner Herrscher über ihr Reich auf, mal mehr, mal weniger dominant. Übertragen auf die Unternehmenswelt lässt sich sagen, dass im IT-Bereich, in Software-Unternehmen eher offene flache Hierachien herrschen und dagegen im Bereich Maschinenbau, Metallverarbeitung sowie in Behörden und Verwaltung immer noch hierarchische Strukturen vorherrschen. Dabei sind große Unternehmen eher offen für Veränderung als Mittelstandsunternehmen. Dementsprechend treten auch die Vorgesetzen auf. Und das betrifft sowohl männliche als auch weibliche Chefs, um das auch noch zu betonen.

Wenn Sie also auch regelmäßig an Chef oder Chefin verzweifeln und vielleicht sogar kündigen wollen, dann schauen Sie sich doch erst ihr Vehalten genauer an und fragen sich zunächst, was Sie selbst ändern können, um die Lage zu entspannen. Denn schließlich spiegelt Ihnen Ihr Umfeld genau die Themen, an denen Sie selbst noch wachsen können. Machen Sie sich bewusst, dass Angst hinter allen Reaktionen steckt. Die verschiedenen Verhaltensweisen von Vorgesetzten lassen sich in vier Kategorien einteilen, in sogenannte "Kontrolldramen", die ich Ihnen hier vorstellen möchte. Die meisten Chefs bedienen sich dabei eher zwei, manchmal drei Kategorien, um an ihr Ziel zu gelangen. Doch ein "Drama" ist immer vorherrschend.


1. Das "Arme Ich"


Ein typisches "Armes Ich" erkennt man an seiner Opferhaltung. Als Vorgesetzter betont er konstant nur die negativen Aspekte. Er wird seiner Umgebung ständig vor Augen halten, wie schwer er es doch hat, dass er bis zum Umfallen arbeitet und dass er alles allein machen muss. Dabei delegiert er möglichst viel an andere und wenn Fehler auftauchen, sind natürlich auch alle anderen Schuld. Er selbst ist hingegen unfehlbar und höchstens das Opfer der Umstände. Einerseits ist ein "Armes Ich" auch sehr freundlich und zuvorkommend, denn er scheut offene Konflikte. Andererseits ist er dadurch auch schwer zu durchschauen und sehr manipulativ. Nach unten treten, nach oben buckeln, das gehört leider auch zu den typischen Merkmalen dieser Ausprägungund ist eines der häufigsten Aufkommen.

Wenn Sie ein "Armes Ich" zum Vorgesetzten haben, dann ist es an Ihnen zu lernen, Grenzen zu setzen. Lassen Sie sich nicht jede Arbeit aufbürden. Machen Sie Ihren Chef zum Verbündeten, indem Sie ihn regelmäßig fragen, wie das Befinden ist. Damit geben Sie ihm die Möglichkeit, zu jammern und sich zu entlasten, bevor sie ihm mitteilen, dass sie leider keine Zeit für Zusatzaufgaben haben. Er ist dann verständnisvoller und Sie sind für sich eingestanden.


2. Der "Unnahbare"


Der "Unnahbare" ist der passive Typ, ständig von seiner Angst getrieben, als inkompetent dazustehen und nicht gut genug zu sein. Unnahbare Vorgesetzte sind im Grunde oft schüchtern und fürchten sich davor, erkannt zu werden. Darum verhalten sie sich eher passiv und sind nur durch intensives Nachfragen zugänglich. Leider überträgt sich dieses Art auch sehr negativ auf die Arbeitsweise, denn von ihnen Informationen zu erhalten, ist schwer bis unmöglich. Für sie ist Wissen Macht und andere Menschen erfahren sie eher als potentielle Eindringlinge. Als Schutzschild dient ihm sein Saubermann-Image. Dahinter verbirgt er extrem schwankende Meinungen und Launen.

Nutzen Sie seine Unsicherheit für sich. Erzählen Sie Positives von sich und Ihrer Arbeit, damit geben Sie ihm die Möglichkeit, sich auch zu öffnen und Sie können eine gemeinsame vertrauensvolle Basis schaffen, auf die Sie aufbauen können. Geben Sie ihm Beispiele von anderen Vorgesetzten, die seiner Meinung sind. Dann hat er das Gefühl er ist nicht allein und kann mit anderen Mitschwimmen. Aber halten Sie auch grundsätzlich eine emotionale Distanz. Mit Emotionen kann er überhaupt nicht umgehen.


3. Der "Vernehmungsbeamte"


Der sogenannte Vernehmungsbeamte ist als aktiver Typ zu bezeichnen, der ständig damit beschäftigt ist, Schwachstellen anderer Menschen herauszufinden und diese für seinen Vorteil zu nutzen. Er ist überaus kritisch und Fehler werden nicht akzeptiert. Stellt der Vernehmungsbeamte seine Fragen, befindet sich der Befragte automatisch in der Position des Bedrängten, der Rede und Antwort stehen muss. Dabei ist dieser Typ Vorgesetzter durchaus eloquent, umgarnt mit Komplimenten und wohlwollender Zuneigung. Doch er ist ein klassischer Opportunist und immer nur auf seinen Vorteil bedacht. Ist ein Mitarbeiter nicht mehr oder nicht genügend nützlich, lässt er ihn eiskalt fallen.

Wenn Sie also einen Vernehmungsbeamten als Vorgesetzten haben, dann spielen Sie sein Spiel nur bis zu einem gewissen Grade mit. Lassen Sie sich aber keinesfalls vollständig auf seine Spielchen ein und setzen Sie auch hier klar und deutlich Grenzen. Bleiben Sie bei sich und fragen Sie ihn gegebenenfalls auch immer wieder nach dem Stand des Projektes oder nach anderen übergeordneten Themen. Er wird Ihnen bis zu einem gewissen Grad gerne antworten. Aber als geübter Manipulator wird er immer wieder auf Fehler und Schwachstellen zu sprechen kommen und auch Sie nicht davor verschonen. Nimmt er Sie aus Unsicherheit als zu still und geheimniskrämerisch wahr, löst dieses Verhalten größtes Misstrauen bei ihm aus. Daher ist es auf lange Sicht das Beste, sich von dem Vernehmungsbeamten zu verabschieden und die Stelle zu wechseln.


4. Der "Einschüchterer"


Der "Einschüchterer" als Chef ist die am weitesten verbreitete Form von Vorgesetzten und jeder, der im Laufe seines Lebens mit diesem Typus zu tun hatte, weiß, wovon ich schreibe. Als aktiv agressiver Herrscher über sein Reich sieht er das Leben als Kampf und ist von der Angst besessen, dass andere ständig seine Macht unterminieren wollen. Dementsprechend dominant tritt er auf. Sein Managerideal sind Härte und Gefühlskälte. Er gilt ausschließlich seine Meinung und er hat immer Recht. Auf ungeahnte Überraschungen oder Kontrollverlust reagiert er mit Panik und die lässt er lauthals an Mitarbeitern aus. Auch wenn er Angst als Zeichen von Schwäche ansieht, ist er unbewusst davon getrieben. Er nutzt Hierarchien bewusst, um Distanz zu seinen Mitarbeitern aufzubauen.

Für diesen Vorgesetzten brauchen Sie vor allem eins: starke Nerven. Zunächst müssen Sie sich auch hier darüber klar werden, dass sich diese Art von Chef aus gutem Grund in ihrem Leben befindet. Fühlen Sie sich oftmals als Opfer der Umstände? Hadern Sie regelmäßig mit dem Schicksal? Dann hören Sie bitte sofort damit auf, die Opferrolle einzunehmen. Machen Sie sich klar, dass Sie ihre eigenen Bedürfnisse viel zu lange zurückstellen und die Probleme, Wünsche anderer weitaus wichtiger nehmen.
Der erste Schritt zur Veränderung besteht darin, bei jeder Begegnung auf die eigenen Gefühle zu achten und was sie in Ihnen auslösen. Vorwürfe und Schreie müssen Sie von sich abgleiten lassen und nicht darauf eingehen. Dann verschiedene Optionen abwägen. Sätze wie „Es gefällt mir nicht, wie Sie mit mir reden.“ „Unter diesen Umständen muss ich das Gespräch erst einmal beendet.“ u.ä. Lassen Sie Ihren Vorgesetzten wissen, wo Ihre Grenzen sind und dass sie weder weiter angeschrien noch kritisiert werden wollen. Immer bei der Wahrheit bleiben! Stehen Sie dazu, wer sie wirklich sind. Und wenn es wirklich nicht anders geht - auch hier ist die Kündigung das beste und letzte Mittel. Sie können nur sich selbst ändern, nicht aber Ihren Chef.


Wie bereits oben erwähnt, kommen all diese Kontrolldramen selten in Reinkultur vor. Kommt der Einschüchterer mit seiner Masche nicht weiter, schaltet er um auf armes Ich und beginnt sich selbst als Opfer zu fühlen. Kommt der Vernehmungsbeamte mit seinen gewollt einschüchternen Fragen nicht durch, wird er zum Unnahbaren oder sogar zum Einschüchterer. Wichtig ist für Sie, das Drama zu erkennen und sich nicht darin verwickeln zu lassen. So werden Sie sich und Ihren eigenen Ängsten bewusst und können aktiv gegensteuern. Dann löst sich manches wie von selbst: Der Vorgesetzte kündigt selbst oder wird versetzt oder Sie erhalten eine Beförderung. Alles ist möglich.

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